Meine Zeit als Geschäftsführerin
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich dieses Kapitel teilen möchte. Es war eine intensive Zeit, die mich viel gelehrt hat – über Verantwortung, über Grenzen und darüber, was es bedeutet, sich selbst treu zu bleiben.
Zum Jahresbeginn 2025 habe ich die Geschäftsführung des Hessischen Fachverbandes für Karate übernommen – eine Position, die mir angeboten wurde und die auf den ersten Blick nach einer idealen Kombination klang: Sicherheit, Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, den Verband weiterzuentwickeln. Ich dachte, ich könnte Dinge schneller verändern, modernisieren und neue Strukturen schaffen. Doch schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass dieser Weg nicht meiner war.
Zwischen Papierkram, Verantwortung und Trainingseinheiten stand ich immer wieder vor der Entscheidung: Sitze ich jetzt noch zwei Stunden am Schreibtisch – oder stelle ich mich lieber in die Halle zu meinen Athletinnen und Athleten? Die Antwort war klar. Mein Herz schlägt für die Menschen, für Entwicklung, für Bewegung. Nicht für Excel-Tabellen.
Die letzten Monate waren intensiv. Ich war überlastet, oft zerrissen zwischen Aufgaben und Erwartungen. Aber sie haben mir eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Lebens geschenkt: Man kann nicht alles machen. Und man muss es auch nicht. Mein größtes Learning: auf mein Bauchgefühl zu hören, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen – ohne mich dafür zu rechtfertigen.
Denn Nein zu sagen ist kein Versagen. Es ist ein klares Statement zu sich selbst. Ein Zeichen von Reife, von Selbstführung und Mut. Anfangs hatte ich Sorge, wie andere reagieren würden. Vielleicht war das auch der Grund, warum ich gezögert habe. Aber am Ende wurde mir klar: Ich muss diesen Weg für mich gehen – nicht für andere.
Ja, es war ein Schritt ins Ungewisse. Und ja, ich musste mich neu sortieren, auch finanziell. Aber mit dieser Entscheidung kam eine enorme Leichtigkeit. Und das Wissen, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Ich möchte meine eigenen Fußstapfen hinterlassen, nicht in die anderer treten.
Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung. Sie hat mir gezeigt, dass Klarheit und Mut Hand in Hand gehen. Dass man nur dann wirklich führen kann – im Sport, im Beruf, im Leben –, wenn man sich selbst treu bleibt.
Ich hoffe, dass dieser Text vielleicht jemandem Mut macht, der oder die gerade an einem ähnlichen Punkt steht. Denn manchmal ist das Nein der wichtigste Schritt, um sich selbst wieder näherzukommen.
Und wenn du beim Lesen denkst: „Wow, das hätte ich mich auch mal trauen sollen.“ Dann weiß ich, dass ich das Richtige getan habe.

